Guten Morgen! Hier ist er, der versprochene Bericht

Guten Morgen!
Hier ist er, der versprochene Bericht von ROSA MARIA KAINZ über ihren ersten Ultra Lauf , welchen sie gleich mit dem sensationellen Sieg beendet hat.

Stadtgut Steyr Ultralauf Event
Am vergangenen Samstag (15.09.2018) fand zum 11. Mal das Stadtgut Steyr Ultralauf Event statt.
Die TeilnehmerInnen konnten sich entscheiden, ob sie für die Dauer von drei oder sechs Stunden auf einem 1,3 km langen Rundkurs als EinzelläuferInnen oder als Staffel starten wollten.
Da ich derzeit für die Halbe Gschicht‘ beim Wien Rundumadum trainiere und auf der Suche nach einem Lauf war, bei dem ich meinen aktuellen Trainingsstand überprüfen konnte, bot sich dieser Ultra an. Ohne viel nachzudenken habe ich mich dann kurz davor für die 6 Stunden angemeldet – natürlich gemeinsam mit meinem Papa, der wie immer „auch noch einen langen Lauf“ gebrauchen konnte. Zu zweit macht stundenlanges Im-Kreis-Laufen doch mehr Spaß.
Ausgestattet mit viel Wasser, Iso und ein paar Palatschinken kamen wir am Samstagvormittag in Steyr an. Die Umgebung war eher industriell, die kurze Strecke führte durch einen Betriebspark, dazwischen gab es ein paar grüne Flecken. Wenn das Wetter nicht mitspielt, kann das ganz schön trostlos werden. Wir hatten aber Glück und genossen während des ganzen Laufs eine angenehme Mischung aus Sonne, Wind und Wolken – so gesehen perfekte Laufbedingungen.
Die Veranstaltung per se war sehr familiär, jeder kannte jeden, wir waren vermutlich eine der wenigen Nicht-Oberösterreicher. Gestartet wurde pünktlich um 10 Uhr, gut 70 EinzelläuferInnen und mehrere Staffeln (4er und 10er) trauten sich an den 6-Stunden Ultralauf heran. Nach dem Startschuss wurde erstmal gelaufen. Und gelaufen. Und gelaufen. Um 12 Uhr fanden dann die Kinder- und Jugendbewerbe statt, was eine nette Abwechslung darstellte.
Die Versorgung auf der Strecke war einwandfrei, man konnte bei einer reichhaltigen Labe jede Runde etwas Neues ausprobieren und sich während der nächsten 1,3km überlegen, was man als nächstes trinkt oder isst. Mit solchen Gedanken beschäftigt man sich gerne, man hat ja Zeit während 6 Stunden, dann redet man mal wieder ein wenig übers‘ Laufen, dann über die Schmerzen beim Laufen, etc.… Man freut sich also über jede Art der Ablenkung.
Um 13 Uhr starteten dann die 3-Stunden-LäuferInnen, was wieder einen willkommenen Tapetenwechsel darstellte. Sogar auf die tanzende Frau nach der Labe, die jedes Mal den gleichen Motivationsspruch parat hatte, freute ich mich nach der gefühlt hundertsten Runde schon. Wieder eine geschafft, ahh. Und auf in die nächste Runde, verdammt. Warum tue ich mir das nochmal an? Und wann kommt endlich diese blöde Mauer, von der alle immer reden? Der Mann mit dem Hammer? Das Loch? Aber solange ich halbwegs gerade denken kann und meine Füße noch einen Schritt vor den anderen setzen können, laufe ich. An Pause nicht zu denken, wozu auch? Ich glaube, falls ich auch nur kurz pausiert hätte, wäre ich nicht mehr weitergelaufen. Also lieber dranbleiben.
Die Stunden gingen dahin, während der dritten Stunde war ich angeblich schon 1.Frau. „Da kann sich noch viel ändern“, dachte ich. Nach der vierten und fünften Stunde war ich das immer noch. Der Moderator, Peter Wundsam, war selbst sehr überrascht, damit hatte wohl niemand gerechnet. Und ich auch nicht. Wer ist das denn? Von wo kommt die? Kann bitte jemand vom Betreuungsteam zu ihm kommen, für Infos? Auf die Informationen hat er leider bis zum Schluss warten müssen, Papa und ich waren ja beide mit Laufen beschäftigt.
Aber zurück zum Lauf.
Nach einer halben Unendlichkeit war sie dann da, diese heiß ersehnte letzte Stunde – und mit ihr eine ordentliche Ladung an Erschöpfung, Frustration und Muskelkrämpfen. Da war sie, die Mauer – und was für eine. Seit der vierten Stunde bin ich bewusst langsamer geworden, ab der fünften dann unbewusst und unkontrolliert. Aber durchhalten, die 60 Kilometer packe ich noch. Alles nach Marathondistanz war Neuland für mich, ich wusste nicht, worauf ich mich da einließ. Aber wenn ich etwas beginne, ziehe ich es durch – sofern es körperlich irgendwie tragbar ist. Die Krämpfe waren da, wurden manchmal schlechter, manchmal besser, die Schmerzen in den Füßen waren erträglich, also hieß es Augen zu und durch.

Als der Zielschuss fiel, fiel ich mit ihm um. Gut 150 Meter vorm Ziel, darauf ist es mir noch angekommen. „Das hätte ich mir besser einteilen können“ schoss es mir als erstes durch den Kopf. Aber ich war mehr als zufrieden mit mir selbst, ich hatte zwischen zweieinhalb und drei Stunden die Führung der Damen übernommen und das bis zum Schluss durchgehalten – damit habe ich selbst nicht gerechnet. Ich war auf alle Eventualitäten bei diesem Lauf eingestellt, nur nicht darauf. So wurde ich mit insgesamt 61,5 km Erste in der allgemeinen Klasse (da war ich auch die einzige, ich hätte mich also gar nicht so anstrengen brauchen für einen Pokal…), Erste der Damen und, was mich persönlich besonders freut, ich wurde in der Gesamtwertung Achte. Insgesamt habe ich es in die 44. Runde geschafft, das kann man schon als gelungenen Trainingslauf zählen.
Ein großer Dank gilt an dieser Stelle auch meinem Papa, Arnold Kainz, der wie immer eine tolle Unterstützung und damit wesentlich an meiner Leistung beteiligt war. Er hat selbst insgesamt 42 Runden bewältigt und lief somit 58,76 km gesamt. Ich freue mich schon auf den nächsten gemeinsamen Ultra!
Kurz gefasst: Der Ultralauf in Steyr ist für all diejenigen zu empfehlen, die sich unter gesicherten Bedingungen an ihre ersten Langdistanzen heranwagen möchten. Man kann jederzeit pausieren, ist immer gut versorgt und alle Organisatoren waren sehr bemüht, es lief alles reibungslos. Das nette, familiäre Ambiente und die zahlreichen Fans, die sowohl betreuten als auch viel zujubelten, laden auch wirklich dazu ein, einfach mal drei oder sechs Stunden im Kreis zu laufen.

Liebe Rosa, vielen Dank für den tollen Bericht. Da läuft man ja förmlich mit dir mit!
Nochmal herzlichgen Glückwunsch zu dieser grandisosen Premiere und dem damit verbundenen Sieg!
Richtig stark!
Alles Gute für Wien Rundumadum!

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