Salzburger Jedermannlauf – persönliche Eindrücke von Anna

Anna Holzmann, unsere rasende Reporterin hat den Salzburger Jedermannlauf für uns Revue passieren lassen 🙂

Da ich im Herbst noch einen Halbmarathon absolvieren wollte und mir der Termin des Salzburger Jedermannlaufs saisonprognostisch am besten in den Hundertjährigen Kalender passte, bestritt ich im Zuge dessen meine ersten Staatsmeisterschaften. Um eine unkomplizierte Couchsurfing-Erfahrung reicher begaben sich Sophia und ich nach einer erholsamen Nacht im hölzern dekorierten Wohnzimmer einer bergaffinen Kindergärtnerin in Lehen zum Startbereich. Bei diesem Stadtlauf konnte man 1-3 Runden á 7,03 km laufen und sogar während des Rennens noch umdisponieren, sofern man nicht für die Staatsmeisterschaften über die Halbmarathondistanz gemeldet war. Dieses taktische Geplänkel blieb mir also erspart. Durch einen entgangenen Testlauf in jener Woche, die ich mit Ruhigstellung nach dem Umknöcheln in Groß Siegharts verbringen musste, krümmten sich ohnehin genug Fragezeichen bei der Wahl des Anfangstempos. Sophia postierte ich strategisch günstig am Beginn der Schleife um den Leopoldskroner Teich, wo sie sich bei wenige Minuten nach dem Start einsetzendem Nieselregen die Beine nur wenig vertreten musste, um mich pro Runde zweimal zu sehen. Der Kurs verlief zunächst etwas verwinkelt durch die historische Altstadt und wartete mit einigen interessanten Kuppen auf, von denen die spektakulärste kurz vor dem Ende der Runde durch das Sigmundstor des Mönchsbergs führte. Obwohl es ab diesem Wendepunkt bergab ging, war die richtige Dosierung des Tempos gefragt, weil die trügerische Sicherheit des vor Wind und Regen schützenden Mauerwerks schlagartig verloren ging. In diesem Unterschlupf verbandelte ich mich mit einem älteren Herrn, der mit einer Zeit von „irgendwo in der Gegend von 1:27“ ins Ziel laufen wollte. Da er in der 2. Runde sein Tempo verschärfte und ich zu feig dafür war, ließ ich ihn ziehen, ohne ihn jemals ganz aus den Augen zu verlieren. Dadurch blieb mir auch nicht verborgen, dass ihn sich eine andere Frau als Zugpferd gesattelt hatte. Noch vor dem Tunnel gelang mir der anvisierte Anschluss, während die Mitstreiterin der Temposteigerung Tribut zollen musste. In der dritten Runde übernahm ich kurz die Führung, bevor sich der Mann in einem Grün, das jenem des LC Waldviertel täuschend ähnlich sah, lautstark zurückmeldete, indem er den Mitläufern ihre bevorstehende Überrundung ankündigte oder mich mit mehr oder weniger hilfreichen, statistischen Daten von seiner Uhr versorgte. Durch die Erfahrung aus den vorigen 2 Runden ging ich seiner per Fingerzeig angedeuteten, vermeintlichen Ideallinie nicht auf den Leim, sondern vertraute auf meine ökonomischere Approximation. Auf den letzten Kilometern überholten wir eine junge Blondine, die erleichtert durchschnaufte, als ich ihr versicherte, dass ich nicht in die U23-Wertung falle. Dafür schnaufte ich immer tiefer durch, um dem stärker werdenden Regen eben nicht die Stirn zu bieten, sondern die Gratwanderung am Rande des Seitenstechens stets von neuem in die vorteilhaftere Spur zu führen. Nach der finalen Bergwertung legte ich im Tunnel ein letztes Mal meine Sohlen trocken und bog mit maximalem Luftstand um die Ecke auf die Zielgerade, wo ich die Rennzeit ticken sah. Da der Blick auf die Sekunden verstellt war, sah ich zunächst nur 1:26, dann 1:26:4x und dann das unwiderstehliche Stiegl-Zelt. Schon forderte das Belohnungszentrum die volle Aufmerksamkeit ein und sollte nicht enttäuscht werden. Wäre ich etwas näher am Wasser gebaut, könnte ich meinen Bericht mit wunderbaren Wortspielen mit dem Regen und unzähligen Augen (exkl. Hühneraugen), die nicht trocken blieben, schließen. Stattdessen ziehe ich das ernst gemeinte Resümee: den Jedermannlauf werde ich nicht nur wegen der unkonventionellen Schlafstätte, der herzlichen Atmosphäre, des überschaubaren Starterfeldes, der besonderen Kulisse, meiner verhofft und unverhofft verlässlichen Begleitpersonen und des klischeehaften Wetters in bester Erinnerung behalten. Schon der Samstag war der Auftakt zu einer vollendeten Symphonie in der Mozartstadt!

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