Anna Holzmann berichtet vom Nightrun in Wien

Bei diesem einzigartigen Lauferlebnis rund um den für den Autoverkehr und die Straßenbahn quasi in letzter Minute gesperrten Ring, dessen historische Gebäude schon beim Einlaufen in der späten Dämmerung ihre eindrucksvolle Nachtbeleuchtung erahnen ließen, erspähte ich im vorderen Startblock wider Erwarten keine bekannten Gesichter, obwohl allein vom Hörensagen eine riesige Abordnung aus dem Waldviertel vertreten sein musste. Nach den ersten, sanften Ellenbogeneinsatz und ein Höchstmaß an Konzentration erfordernden, 500 Metern stellte sich ein laufbares Tempo heraus, das ich nach dem ersten Kilometer in 3:35 laut meiner Uhr fast als Freud‘schen Verschauer abgetan hätte, wenn es nicht bergab gegangen wäre. Da es eh nur noch 4 km waren, ging ich nur dort vom Gas, wo es das mit keinem noch so ebenen Stadtlauf zu vergleichende Gelände erforderte. Im Zuge dessen überholte ich beim Schwedenplatz recht mühelos eine flinke Wieselin und tastete mich sukzessive an eine andere Frau heran, die meinen Siebenmeilenschritten einen hochfrequenten Antritt entgegensetzte. Beim Karlsplatz lagen noch etwa 2 km vor uns, die ich vom VCM in bester, wenn auch tagheller Erinnerung hatte. Wir liefen Schulter an Schulter, bis ein „Frauenpower“-Ruf aus dem Publikum meinen Entschluss festigte, mich schnellstmöglich abzusetzen, um ja kein Déjà-vu des Waldviertler Frauenlaufs zu erleben. Die Bestätigung meiner Taktik erhielt ich prompt nach Überqueren der Ziellinie, als mich ein Streckenposten mit vorgestreckter Hand am Weitergehen hinderte. Während ich ihn verwundert anstarrte, notierte er bereits meine Startnummer und erklärte mir sein exekutives Pflichtbewusstsein damit, dass ich Dritte geworden sei. Mein Blick muss immer mehr die Züge einer Intelligenzbefreiten angenommen haben. Erst als er mir Zeit und Ort der Siegerehrung mit auf den Weg gab, sickerte die kuriose Information allmählich in mein Bewusstsein. Bis zum namentlichen Aufruf vor dem Burgtheater dauerte es aber noch, um den letzten Funken meiner staunenden Ungläubigkeit auszuräumen und gegen eine nie dagewesene Freude über einen dritten Platz zu ersetzen. Zur Krönung dieses beflügelnden Erlebnisses schaffte es auch Christoph Laister bei den Herren auf das Treppchen.

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