„Über Drüber 2015“ – Bericht von Werner Bittermann

Es war Winter, es war so finster und auch so bitterkalt, als ich mich entschied an einem Frühjahrsmarathon teilzunehmen. Um einem Start-Gedränge in Wien oder Linz zu entgehen und meine Langsamkeit auf flachen Strecken zu vertuschen, entschied ich mich für den „Über Drüber Marathon“ in Kirchdorf an der Krems (OÖ Voralpen) Mitte Mai. Ende des Jahres wurde das Training aufgenommen, welches durch eine kurze Verletzungspause und einer anschließenden längeren Verkühlung unterbrochen wurde. Dann wurde die Zeit knapp, somit wurde aus dem Buch: Marathontraining – So Nicht ! der Trainingsplan: 1. Woche 1 Stunde laufen, 2. Woche 2 Stunden, usw.. umgesetzt.

Die Wetterprognosen kurz vor dem Wettkampftag (Christi Himmelfahrt) waren alles andere als optimal (Unwettergefahr) und das Antreten in Frage gestellt. Nachdem sich das
Unwetter bereits in der Nacht austobte, gab es zum Start um 11.00 Uhr optimales Marathonwetter.  Gemeinsam mit den Halbmarathonläufern (ausgezeichneter 4.: Florian Habersberger) ging es auf die 1. Runde.

Landschaftlich wunderschöne und abwechslungsreiche Strecke. 80% auf Asphalt, 20% auf Schotter, Wiesen- und Wanderwegen. 650 Höhenmeter aufsteigend pro Runde (=21,1 km). Vom Stadtzentrum Kirchdorf leicht steigend bergauf, dann bergab nach Schlierbach (km 5). Durch den Käfergraben eine lange Steigung bergauf nach Oberschlierbach (km 10). Leicht fallend zurück Richtung Kirchdorf. Bei km 13 Steilanstieg Oberhamet, danach größtenteils leicht fallend zurück nach Kirchdorf.

Nach langsamen Beginn konnte ich mich bei der langen Steigung nicht „zurückhalten“, einige HM-Läufer zu überholen (Gute Idee?). Leicht fallend ging es weiter ehe es bei Kilometer 13 zum Steilanstieg kam, von dem am Start gewarnt wurde, darunter ein ca. 600 m langes Waldstück mit sehr tiefen und glitschigen Untergrund. Oben angelangt ging es dann aufgrund der Bodenverhältnisse kurzfristig gefährlich bergab, bis man wieder auf Asphalt gelangte. Nach 1 Stunde 48 Minuten zurück in Kirchdorf, ging es auf die 2. Runde.

Relativ problemlos ging es über die 1.Steigung, den Käfergraben und die lange Steigung. Abgesehen von einem Marathonläufer ein paar hundert Meter vor mir (der Versuch ihn einzuholen misslang) und ein paar Ultramarathonläufern  (Start um 08.30 – die durften sogar 3 Runden laufen…) war es nun (bei 19 Marathonstartern) ein einsames Rennen. Beim leicht fallenden Teil zwischen langer Steigung und Steilanstieg wurden die Beine schwerer. Auf den ersten Metern des Steilanstiegs passierte das, was Yogastar Young-Ho Kim (Yoga-Magazin auf ORF SPORT +) bei einer schwierigen/anstrengenden Übung als Ausdruck der Freude/Glücksgefühle bezeichnet. Zuerst im rechten Oberschenkel vorne, gleich darauf auch im linken ein heftiges Brennen. Bald darauf meldeten sich auch Waden, hintere Oberschenkel usw. Vollkommen im Glücksrausch versuchte ich langsam, aber doch, weiterzulaufen. Nachdem ich das Steilstück hinter mir hatte und es fast nur mehr bergab ging wurde der Laufstil wieder besser und ich konnte den Sprecher beim Zieleinlauf davon überzeugen, es mir gut eingeteilt zu haben (Zeitverlust 2. Hälfte: 13 Minuten).

überdrüber2015Die größten Leistungen des Tages lieferten der 89-jährige Walter Retschitzegger beim Halbmarathon sowie beim Ultramarathon Andreas Sageder in der unglaublichen Rekordzeit von 5 Stunden und 3 Minuten (63,3 km, 1900 Höhenmeter) ab.

Und wie es mir heuer ergangen ist, erfährt ihr bald (nächstes Jahr?).

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